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Abenteuer Ehrenamt

Damit kein Kind zurückbleiben muss: ehrenamtliche Hausaufgabenhilfe in der Grundschule

Interview mit Petra Weidemann aus Königswinter-Thomasberg, Jahrgang 1958. Frau Weidemann studierte Lehramt für Sekundar-Stufe I + II in den Fächern Sport und Geografie. Ehrenamtlich war sie zuletzt in der Hausaufgabenbetreuung von Grundschülern engagiert.

Frau Weidemann, worin bestand Ihre persönliche Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Leider konnte ich nach der Geburt meines Sohnes aufgrund einer Erkrankung meinen Beruf nicht ausüben. Aber ich wollte etwas tun, ich suchte etwas Sinnvolles. Ich wollte mich insoweit einbringen, wie es mir möglich war.

Und so entschieden sie sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit?
Nicht sofort. Als Mutter eines Sohnes hatte ich schon beim Schwimmunterricht in der Schule geholfen, später im Kindergarten gearbeitet. Hiernach entschied ich mich für eine ehrenamtliche Beschäftigung.

Und wie war Ihr Einstieg in Ihr Ehrenamt? Gab es einen Schlüsselmoment oder Anlass, die dazu führte, dass Sie sich konkret engagierten?
Ich las in einem Zeitungsartikel im General-Anzeiger, dass das Forum Ehrenamt Menschen für die Hausaufgabenbetreuung hier an der Hauptschule sucht. Da ich auch schon früher immer mit Kindern gearbeitet hatte und mein Sohn damals noch in der Schule war, suchte ich zeitliche Flexibilität und eine stundenweise Beschäftigung.

Wie sah diese ehrenamtliche Tätigkeit konkret aus?
Das war Hausaufgabenbetreuung vom Forum Ehrenamt für die 7. bis 9. Klasse, die wegen mangelnder Teilnahme nach einiger Zeit eingestellt wurde. Allerdings bin ich dann an der Hauptschule geblieben, um vormittags bei der Intensivbetreuung für bestimmte SchülerInnen mitzuarbeiten.

Und in dem Bereich sind sie bis heute tätig?
Nein, anschließend betreute ich dort zunächst nur zwei, später im Förderunterricht bis zu 12 Kinder (Familiennachzug und Flüchtlinge) z.B. aus der Ukraine, der Slowakei, Serbien und anderen Ländern. Insgesamt war das meine intensivste Zeit mit vier Tagen und jeweils einer Doppelstunde.

Und wie sieht ihre Tätigkeit bis heute aus?
Aufgrund anstehender Operationen bin ich aber im Moment nicht mehr ehrenamtlich tätig. Aber bis zu den Herbstferien 2020 habe ich noch an zwei Tagen Hausaufgabenbetreuung für die OGS Stieldorf gemacht. Ein zweiter Tag in der Woche war mir wichtig, um eine gute Beziehung zu den Schülern aufzubauen.

Gab es für sie ein besonderes oder herausragendes Erlebnis in der Freiwilligenarbeit, das Sie teilen wollen?
Interessante Erfahrungen waren für mich die Begegnung mit anderen Kulturen über die Kinder und deren Familien. Besonders hat mich gefreut, dass zwei meiner SchülerInnen aus der Ukraine bzw. aus Serbien den Hauptschulabschluss geschafft haben und in eine Ausbildung gegangen sind.  Wir hatten auch privat etwas unternommen. In deren Familien habe ich eine ungeheure Gastfreundschaft erlebt.    Eine schwierige Erfahrung war für mich bei der Hausaufgabenhilfe der Fall eines Jungen, der eine geistige Behinderung hatte, was zunächst niemanden, möglicherweise auch den Eltern nicht bekannt war. Dies lag wohl auch daran, dass eine geistige Behinderung im betreffenden Land nicht als solche betrachtet bzw. akzeptiert wurde. Einige Monate waren wir im Umgang mit dem Jungen recht ratlos.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, in Bezug auf Ihre ehrenamtliche Tätigkeit, wie würde er lauten? Gibt es etwas, das helfen würde, damit Sie Ihr Engagement besser ausüben können?
Für mich war immer wichtig, auch etwas über die SchülerInnen und ihr Umfeld zu erfahren. Deswegen sollten sich Ehrenamtler in der Schule zutrauen, bei den LehrerInnen nachzufragen, welche Probleme es noch gibt, um die Kinder „im Ganzen“ kennen zu lernen. So habe ich immer Informationen nachgefragt und kommuniziert, um mich „im Team“ zu fühlen.

Was würde Ihrer Meinung nach helfen, dass sich noch mehr Menschen engagieren? Was könnte dazu beitragen?
Die Berichterstattung in der Zeitung über das Forum Ehrenamt oder die Ehrenamtstage sind für meine Generation noch wichtig, insbesondere wenn ich mich engagieren wollte. Das Extrablatt kam z.B. auch mal in die Hauptschule, um etwas über die Hausaufgabenbetreuung  zu erfahren und ein Foto zu machen. Dadurch wird dieses Engagement natürlich auch gleich viel bekannter. Öffentlichkeitsarbeit sollte man heute natürlich auch über die Medien betreiben, die auch die jüngere Generation erreicht.

Gibt es Ihrer Meinung nach andere Gruppen oder Projekte oder Initiativen, die das Forum Ehrenamt als Freiwilligenagentur unterstützen sollte?
Dazu fällt mir jetzt spontan nichts ein. An der OGS gibt es aber schon eine Menge Angebote von außen für Kinder, wie z.B. die Lesepatenschaften.

Ja, Kindern etwas vorzulesen hatte mich auch schon mal interessiert. Während der Flüchtlingskrise hatte ich mich dann aber für Sprachunterricht für Flüchtlinge entschieden.
Lesen sie doch mal den Flüchtlingen etwas vor, so mit viel Bildern und Bewegung. Vielleicht als eine neue Form der Sprachvermittlung.

Das ist doch vielleicht ein neuer kreativer Ansatz. Vielen Dank für das Gespräch, Frau Weidemann.

Das Interview führte Martin Bubner am 15.12.20

 

 

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