Wir setzen auf Begegnung und Unterstützung durch die Nachbarschaft!

Rund 50 geflüchtete Menschen werden künftig in der neuen Unterkunft am Limperichsberg in Thomasberg leben. Für sie beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit vielen Herausforderungen: eine ungewohnte Umgebung, eine neue Sprache und alltägliche Abläufe, die zunächst Orientierung erfordern. Das Forum Ehrenamt möchte diesen Start gemeinsam mit engagierten Thomasbergerinnen und Thomasbergern begleiten – und zugleich Möglichkeiten schaffen, bei denen Menschen sich kennenlernen, miteinander ins Gespräch kommen und Thomasberg als gemeinsamen Lebensort entdecken können.

Die neue Unterkunft beschäftigt viele Menschen im Ort. Bereits bei einer Informationsveranstaltung im November 2024 hatten mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen und Sorgen geäußert. Dabei ging es insbesondere um Sicherheit, die Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner und die Befürchtung, dass rund um die Unterkunft ein sozialer Brennpunkt entstehen könnte. Auch bei der Informationsveranstaltung der Stadt am 22. Juli wurden diese Themen erneut angesprochen. Zugleich wurde deutlich: Neben Verunsicherung gibt es auch den Wunsch, dass die neuen Bewohnerinnen und Bewohner gut ankommen und sich in Thomasberg zurechtfinden.

Sie möchten sich engagieren?

Wer sich engagieren möchte, wendet sich gerne unter 02223 / 9236-0 oder per E-Mail an info@forum-ehrenamt.de.

Gemeinsam wird geschaut, welche Form des Engagements zu den eigenen Interessen und zeitlichen Möglichkeiten passt.

„Wir sollten die Sorgen und Fragen der Menschen in Thomasberg ernst nehmen. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass hinter dem Begriff ‚Geflüchtete‘ Menschen stehen, die hier zunächst vor allem eines brauchen: Orientierung, Kontakt und die Chance, ihre neue Umgebung kennenzulernen“, sagt Jochen Beuckers, Vorsitzender des Forum Ehrenamt. „Wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen und sich persönlich kennenlernen, kann aus anfänglicher Unsicherheit Vertrauen entstehen.“

Genau hier möchte das Forum Ehrenamt ansetzen. Die Freiwilligenagentur verfügt über langjährige Erfahrung in der Begleitung geflüchteter Menschen und koordiniert unterschiedliche Formen des ehrenamtlichen Engagements. Dazu gehören unter anderem Ankommenspatenschaften und Sprachpatenschaften.

Thomasberg gemeinsam entdecken

Besonders niedrigschwellig ist das Konzept der Ankommenspatenschaften: Engagierte Bürgerinnen und Bürger helfen neu angekommenen Menschen dabei, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden. Gemeinsam können sie beispielsweise einen Spaziergang durch Thomasberg machen, den Weg zum Supermarkt zeigen, Busverbindungen erklären, Freizeit- und Sportangebote kennenlernen oder wichtige Anlaufstellen entdecken. Das Forum Ehrenamt vermittelt die Kontakte und begleitet die ehrenamtlich Engagierten.

„Es braucht dafür keine besonderen Vorkenntnisse und auch kein tägliches Engagement“, erklärt Nisa Punnamparambil-Wolf, die beim Forum Ehrenamt die Integrations- und Flüchtlingshilfe koordiniert. „Oft reichen schon ein paar gemeinsame Termine. Man zeigt, wo man einkauft, welchen Bus man nehmen kann oder wo es ein schönes Ausflugsziel gibt. Und ganz nebenbei lernt man sich kennen. Das ist für beide Seiten eine Bereicherung.“

Auch die neuen Impulspatenschaften bieten eine Möglichkeit, zunächst unverbindlich Erfahrungen zu sammeln. Dabei treffen sich Engagierte und Geflüchtete zunächst für drei gemeinsame Termine – etwa um die Nachbarschaft zu erkunden oder bei einem Termin zu unterstützen. Anschließend können beide Seiten entscheiden, ob und wie der Kontakt weitergeführt werden soll.

Sprache verbindet

Ein weiterer wichtiger Baustein sind die Sprachpatenschaften. Ehrenamtliche unterstützen Geflüchtete beim Deutschlernen und bei der Verständigung im Alltag. Kleine Lerngruppen oder individuelle Treffen ermöglichen es, gezielt auf die Interessen und den jeweiligen Sprachstand einzugehen. Dabei geht es nicht nur um Grammatik und Vokabeln: Sprache ist auch ein Schlüssel zu Begegnung und Teilhabe.

„Wenn wir miteinander sprechen können, lernen wir auch die Geschichten und Perspektiven des anderen kennen“, sagt Nisa Punnamparambil-Wolf. „Deshalb möchten wir die neuen Thomasbergerinnen und Thomasberger nicht nur dabei unterstützen, sich im Alltag zurechtzufinden. Wir möchten Begegnungen ermöglichen, bei denen beide Seiten etwas über die jeweils andere Lebenswelt und Kultur erfahren können.“

Gemeinsam aktiv sein

Auch praktische Aktivitäten können Menschen zusammenbringen. Die Fahrradcoaches des Forum Ehrenamt reparieren gespendete Fahrräder, geben sie an Geflüchtete weiter und vermitteln sicheres Fahrradfahren. Das Angebot verbindet Mobilität mit Begegnung und kann beispielsweise durch gemeinsame Fahrradtouren ergänzt werden. Die Fahrradschule ist bereits seit 2015 in diesem Bereich aktiv.

„Das Betätigungsfeld für Engagement ist groß“, sagt Jochen Beuckers. „Und es muss nicht immer gleich eine langfristige Patenschaft sein. Vielleicht hat jemand Lust, einmal einen Spaziergang zu machen, zusammen zu kochen oder zu spielen, einen Ausflug zu organisieren oder bei einer Fahrradaktion mitzumachen. Entscheidend ist, dass Menschen zusammenkommen.“

Einladung an die Thomasberger Nachbarschaft

Das Forum Ehrenamt lädt deshalb insbesondere Bürgerinnen und Bürger aus Thomasberg und Heisterbacherrott ein, sich einzubringen. Gesucht werden Menschen, die neugierig auf ihre neuen Nachbarn sind, Freude an Begegnung haben und ein wenig Zeit schenken möchten. Das Forum Ehrenamt berät, vermittelt und begleitet Engagierte und steht auch bei Fragen oder Unsicherheiten zur Seite.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, professionelle Aufgaben zu übernehmen. Ehrenamtliche müssen keine Sozialarbeiterinnen, Dolmetscher oder Behördenexperten sein. Das Forum Ehrenamt plant, dafür mit einem eigenen, erfahrenen ehrenamtlichen Beratungsteam auch in Thomasberg präsent zu sein.

„Wir wünschen uns, dass die Menschen, die jetzt nach Thomasberg kommen, nicht nur eine Unterkunft vorfinden, sondern Nachbarschaft“, sagt Nisa Punnamparambil-Wolf. „Und vielleicht entdecken auch die Thomasbergerinnen und Thomasberger, dass ihre neuen Nachbarn interessante Geschichten, Fähigkeiten und Traditionen mitbringen. Integration funktioniert schließlich nicht als Einbahnstraße.“